heute
morgen?
morgenfarm
Transformation der A100:
Vom gestrigen Verkehrsprojekt zum nachhaltigen Stadternährer und Innovationsmotor der Hauptstadtregion
Autobahnen prägen unseren Lebensstil seit 100 Jahren – über sie rollen wir zu einst ferngeglaubten Reisezielen und umgekehrt rollen Lebensmittel aus der ganzen Welt täglich über sie in unsere Supermärkte. Die dabei durch Transport verursachten CO2-Emissionen sind allerdings enorm und die konventionelle Landwirtschaft selbst ist der noch größere Klimakiller.
Mit den angebrochenen Zwanziger Jahren hat eine Dekade begonnen, in der sich Städte und Regionen weltweit ein Wettlauf um klimaneutrale Innovationen in allen Bereichen unseres Wirtschaftssystems bieten. Um hier mitzumischen braucht es mutige Entscheidungen!
“Morgenfarm Berlin” ist eine Konzeptskizze, die das Zeug hat wirtschaftspolitische Weichen für Berlin zu stellen: Aus einem rückwärtsgewandten Verkehrsprojekt würde eine hocheffiziente, dezentrale, ressourcen- und emissionensparende Vertikale Farm, die die Berliner Bevölkerung krisenresistent mit frischen Vitaminen und Proteinen versorgt.
Herkömmliche Landwirtschaft
-
2400 Km
2400 Km reist Gemüse durchschnittlich, bis es bei uns auf dem Teller liegt. (Q)
-
30%
30% der globalen Treibhausgase werden von der konventionellen Landwirtschaft verursacht. (Q)
-
70%
70% des weltweiten Wasserverbrauchs gehen auf die herkömmliche Landwirtschaft zurück. (Q)
-
Verlust der Biodiversität
Der Verlust der Biodiversität geht maßgeblich auf Praktiken der herkömmlichen Landwirtschaft zurück. (Q)
-
Verseuchung des Grundwassers, der Flüsse und der Weltmeere
Durch den Einsatz von Pestizide und Dünger ist die herkömmliche Landwirtschaft maßgeblich für die Verseuchung des Grundwassers, der Flüsse und der Weltmeere verantwortlich. (Q1/Q2)
-
Ernteausfälle
Der herkömmlichen Landwirtschaft drohen Klimawandel bedingte Ernteausfälle. (Q)
Vertical Farming
-
24,8 $ Milliarden
werden schätzungsweise bis 2026 in den Indoor Farming Tech Market investiert. (Q)
-
90% Wasserverbrauch
Mit Vertical Farming kann der Wasserverbrauch um mehr als 90% reduziert werden (Q) und die Erträge je Quadratmeter sind bis zu 390 mal höher. (Q)
-
390 mal
Die Erträge je Quadratmeter sind bis zu 390 mal höher (Q)
-
Mehrmals pro Woche
Nahrung für alle Berliner*innen mehrmals pro Woche. (Bsp.)
-
Vitamine
Vitaminreiche Lebensmittel ohne Pestizide & Chemikalien
-
Innovation & Arbeit
Berliner Innovationskraft & Arbeitsplätze
„Ich bin überzeugt, dass Vertical Farming zukünftig auch in Mitteleuropa einen wichtigen Beitrag leisten wird. Vertical Farming wird nicht die klassische Landwirtschaft oder den Gartenbau ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen. Die größten Vorteile von Vertical Farming sind der geringe Wasserverbrauch, die hohe Produktivität und die von den Außenbedingungen unabhängig exakt steuerbaren Wachstumsbedingungen.“
Prof. Dr. Heike Mempel von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Bayern gilt als eine der landesweit renommiertesten Expertinnen für Vertical Farming.
Konzept
Das Konzept – Eine vertikale Farm, die Berlin versorgt
Das morgenfarm berlin Konzept sieht vor, das bereits gebaute Trogbauwerk des 16. Bauabschnitts der Berliner Stadtautobahn als “Vertikale Farm” zu nutzen und folgt damit einem weltweiten Trend. Insbesondere in Asien und den U.S.A. fließen große Investitionen in diesen Zukunftsmarkt, aber auch in Dänemark entsteht bspw. eine riesige Vertikale Farm. Durch ihre Unabhängigkeit von äußeren Einflüssen (Sonne, Regen, Temperatur) sind Vertikale Farmen ganzjährige Produktionsstätten von Früchten, Gemüse, Speisepilzen, Algen oder Insekten. Als Kreislaufwirtschaft vereinen sie Hydrokulturen mit kurzen Transportwegen zum Endverbraucher. Vertikale Farmen sind hocheffizient im Umgang mit Ressourcen und frei von Pestiziden. Sie sichern der lokalen Stadtbevölkerung auch in Krisenzeiten frische und vitaminreiche Nahrungsmittel.
Um den Ertrag der morgenfarm berlin im Detail zu kalkulieren, muss im nächsten Schritt eine Machbarkeitsstudie unter Beteiligung diverser Expertisen erstellt und das Anbauverfahren im Detail konzipiert werden. Angesichts der enormen Innovationskurve bei den notwendigen Schlüsseltechnologien (Robotik, regenerativen Energien, LED-Technologie) sowie der riesigen Grundfläche von 100.000 m2 (3,2 Kilometer x 31,5 Meter Regelschnitt) lässt sich allerdings schon heute behaupten, dass die im “Berliner Trog” wachsenden Nahrungsmittel einen großen Beitrag zur Versorgung der Berliner*innen leisten können.
„Urban Farming ist heute viel mehr als eine romantische Idee. Im Bereich von City-Farming und Aquaponic-Farming haben wir inzwischen eine gute Profitabilität erreicht sowie ein erfreuliches Wachstum von Arbeitsplätzen und Umsätzen.“
Frank Sippel ist Mitgründer von ECF Farmsystems – ein Unternehmen, welches bereits seit 2015 Stadtfarmen in Berlin betreibt und große Einzelhandelsketten beliefert.
Städtebaulicher Ansatz:
Auf die Umgebung eingehen & die Vorteile des Bauwerks nutzen
Historisch liegt der 16. Bauabschnitt in einem Areal, das sich erst spät in die wachsende Metropole integriert hat – allein die Ausläufer der einst weltberühmten Späth'sche Baumschule reichten in den vergangenen Jahrhunderten fast heran. Heute grenzen noch immer Gärten im Osten an, im Süden ist das Industriegebiet Neukölln-Südring entstanden, Wohnen im Westen und mit dem Treptower Park an der Spree Freizeit- und Erholung im Norden.
Der Standort und das monofunktional angelegte Trogbauwerk selbst birgt einige Qualitäten, die für eine Umnutzung als ganzjährige und hocheffiziente High-Tech-Farm ideale Voraussetzungen bieten: Seine Lage einige Meter unter der übrigen Geländehöhe und seine robuste Bauweise schützt vor äußeren Einwirkungen, wie Wind, Sonne, Temperaturschwankungen oder Erschütterungen. Und auch wenn wir aktuell die Verteilung der Morgenfarm-Erzeugnisse in die Berliner Quartiere mittels Lastenräder andenken, bieten sich mit S-Bahn-, Autobahn- und Wasserstraßenanschluss ideale Voraussetzungen für ein erweitertes Logistikkonzept.
-
Sicher vor Extremwetterlagen
-
Konstante Temperatur
-
Inmitten der Stadt – nah an den “Verbrauchern”
Das Dach des Trogbauwerks dient der Energiegewinnung: Sonnenkollektoren speisen die LED-Beleuchtung und Lüftung der Morgenfarm. Wir sehen derzeit zwei mögliche Varianten der Dachgestaltung. Zur detaillierten Konzeption – nicht nur in diesem Punkt – müsste im nächsten Schritt eine Machbarkeitsstudie zur morgenfarm berlin entstehen.
Entlang der 3,2 Kilometer langen Morgenfarm schlängelt sich ein Park und ein Netz von Rad- und Spazierwegen. In der Mitte des Parks ist für wenige Hundert Meter der Produktionsbereich der Farm unterbrochen und das Trogbauwerk wird erfahrbar. Ein Lern- und Besucherzentrum lädt Kinder und Erwachsene ein, zu erfahren, wo ihr Gemüse herkommt und wie es produziert wird. Auch findet sich hier ein “Hofverkauf” sowie Gastronomie mit erntefrischen Speisen.
Durch die Umnutzung des A100-Trogs als Vertikale Farm werden große Flächenpotenziale für den Wohnungsneubau gewonnen. Häuser und Quartiere könnten in unmittelbarer Nachbarschaft zur lärm- und abgasfreien Farm entstehen. Eine Studie (Q) rechnet vor, dass bis zu 22.000 Menschen hier ein neues Zuhause finden könnten. In das Stadtbild gut einfügen würde sich eine Kette von Wohnhochhäusern zwischen neuem Estrel-Tower im Süden und dem TrepTower im Norden.
Die Ausgangslage:
Warum ein Autobahnabschnitt zum Politikum wurde
Er ist 3,2 Kilometer lang, 32 Meter breit, 7 Meter tief und führt vom Neuköllner Industriegebiet bis zur Elsenbrücke am Treptower Park: Der 16. Bauabschnitt der Berliner Stadtautobahn wird seit 2011 gebaut und soll 2024 eröffnet werden. Und doch wird noch immer aus guten Gründen heftig über seinen Rück- oder Weiterbau gestritten. Die wichtigsten Gründe hierfür sind:
Sinnhaftigkeit
Ohne eine weitere Verlängerung (einem 17. Bauabschnitt) bis nach Friedrichshain (Frankfurter Allee) und weiter nach Lichtenberg (Storkower Straße) ist der 16. Bauabschnitt verkehrstechnisch nicht sinnvoll, da selbst bei recht alten und konservativen Prognose (Q) durch die neue Trasse statt den heute 50.000 Fahrzeuge täglich zukünftig 80.000 Fahrzeuge auf die Elsenbrücke und die umliegenden Quartiere ergießen würden – eine beispiellose verkehrliche Überlastung.
Sparsamkeit
Der 16. Bauabschnitt ist heute schon das teuerste Stück Autobahn Deutschlands (mehr als 200.000€ pro Meter (Q) und der mit der Eröffnung notwendige 17. Bauabschnitt würde durch komplizierte Tunnelarbeiten noch teurer.
Symbolhaftigkeit
Weltweit sind die Anfänge einer globalen Klimakrise bereits deutlich zu spüren und immer mehr Metropolen wetteifern darum, Straßenraum umzuverteilen oder rückzubauen um klimafreundlicher zu werden. Wie ist in diesem Kontext die Klimapolitik einer Deutschen Hauptstadt zu deuten, die im Jahre 2024 einen neuen Stadtautobahn-Abschnitt eröffnet?
„Wer den 16. Bauabschnitt eröffnet, muss aus verkehrstechnischer Sicht auch den 17. bauen. Das heißt, dass wir in Berlin die nächsten 20 Jahre weiter Autobahnen bauen! Das ist falsch und für eine Stadt, die die Verkehrs- und Energiewende möchte, einfach absurd.“
Prof. Dr. Andreas Knie leitet am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) die Forschungsgruppe Digitale Mobilität und gesellschaftliche Differenzierung. Er ist Soziologe und Verkehrsexperte.
Kampagne
Es braucht kluge und vor allem mutige Entscheidungsträger*innen um eine wirkliche Wende in der Wirtschafts- und Klimapolitik hinzubekommen.
Unterstützen wir sie dabei!
1. Social Media
Teile das Konzept und begeistere
andere Menschen davon!
2. Email
Schreibe direkt eine Email an eine*n gewählte*n Volksvertreter*in im Abgeordnetenhaus
3. Newsletter
Melde dich beim paper planes e.V. und erfahre Neuigkeiten
-
„morgenfarm berlin“ ist eine tolle Idee und ein wichtiger Baustein, um Vertical Farming in Deutschland auf ein neues Niveau zu bringen.“
Prof. Dr. Heike Mempel
-
“Das morgenfarm berlin Konzept ist eine tragbare Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit”.
Frank Sippel
-
„Das Konzept von paper planes e.V. sollte als ein wichtiger Baustein für eine klima- und wirtschaftspolitische Gesamtvision begriffen werden: Eine dezentrale und hocheffiziente Versorgungsstruktur wie die morgenfarm wird angesichts des Klimawandels zur Schlüsselkompetenz einer Metropolregion.”
Prof. Dr. Andreas Knie
Pressespiegel zum Projekt
– eine Auswahl
-
Tagesspiegel
30.08.2021
”Vorschlag zur Umnutzung: Bio-Gemüse von der Autobahn” -
100,6 FluxFM
03.09.2021
”morgenfarm berlin statt A100 – Interview” -
RESET.org
14.09.2021
”Morgenfarm Berlin: Wie wär es mit einer vertikalen Farm statt einer Autobahn?” -
Inhabitat
23.09.2021
”Morgenfarm proposes vertical farms to replace Berlin’s Autobahn” -
BauNetz
24.09.2021
”Farmprojekt für Autobahn 100 vorgestellt” -
Zeit Online
03.10.2021
”Autobahnausbau: Oder doch lieber Gemüse anbauen?” -
RBB ZIBB
22.10.2021
”Urban Farming statt Autobahn?” (4min.) -
Podcast "Wechselwarm"
04.11.2021
”Dein Leben in der Klimakrise” (37min.) -
ARD Themenwoche im Kulturradio
07.11.2021
Green Deal an der Spree (27min.)
Team
Hinter der Konzeptskizze zur “Morgenfarm Berlin” steht der unabhängige und gemeinnützige paper planes e.V.
Als Team internationaler Berliner*innen der Professionen Architektur, Stadtentwicklung, Mobilitäts- und Zukunftsforschung, Kulturarbeit, Wirtschaft, Jura und Marketing haben wir u.a. 2015 das Konzept zur Radbahn Berlin unter dem U1-Hochbahnviadukt entwickelt, das derzeit bundes- und landesgefördert als “Reallabor Radbahn” in die Umsetzung geht und das Projekt “Pop-Up-Wald”, eine temporäre und mobile urbane Installation, die an verschiedenen Orten im Soldiner Kiez in Berlin-Wedding auftaucht(e). Darüber hinaus kooperiert man derzeit für das Projekt “Verkehrswende Erleben” (Pressemitteilung) mit dem Wissenschaftszentrum Berlin und der TU Berlin.
paper planes e.V. versteht sich als “Think- und Do-Tank”, der gesellschaftliche und technologische Potenziale erforscht, die zu umwelt- und menschengerechteren und dadurch lebenswerteren Stadträumen führen.
Für die Erarbeitung des Konzepts “Morgenfarm Berlin” wird paper planes e.V. von der “European Climate Foundation” (ECF) gefördert.
paper planes e.V. Team
Recherche:
Jan-Christoph Brylla, Daniel Dilger, Matthias Heskamp, Kristin Karig, Giulia Maniscalco, Perttu Ratilainen, Simon Wöhr
Ideenentwicklung:
Nadja Berseck (Moderation), Jan-Christoph Brylla, Daniel Dilger, Matthias Heskamp, Kristin Karig, Giulia Maniscalco, Perttu Ratilainen, Francesca Weber-Newth, Simon Wöhr
Architektonischer Entwurf und Zeichnungen:
Matthias Heskamp, Kristin Karig, Giulia Maniscalco
Narrativ, Naming, Kampagnenstrategie- und umsetzung:
Perttu Ratilainen, Simon Wöhr
Text und Redaktion:
Simon Wöhr
Koordination, Buchhaltung und Rechtliches:
Jan-Christoph Brylla, Perttu Ratilainen, Simon Wöhr
Projektparner*innen
Mitarbeit Recherche:
Mathilde Kærgaard Skaaning
Mitarbeit Ideenentwicklung und architektonischer Entwurf:
Marco Piazza, Giulia Pozzi
Renderings:
Reindeer Renderings
Design und Homepage:
Severin Frank, Our Company Ltd.
Übersetzungen:
Brianna Summers
Video Schnitt:
Sascha Uhlig
Video Sound:
Sarah Kivijärvi
Kontakt
paper planes e.V.
Forster Straße 52
10999 Berlin
+49 30 2313 5274
www.paper-planes.net